Du wohnst in Köln, Düsseldorf oder Bonn, schaust auf den Rhein, der im Sommer wie eine breite Autobahn unter dir vorbeizieht — und denkst dir: Hier müsste man eigentlich Jetski fahren können. Direkt vor der Haustür, ohne stundenlange Anfahrt zu einem See. Im Prinzip stimmt das auch. Nur ist der Rhein nicht einfach ein freies Fahrgebiet. Er ist die meistbefahrene Binnenwasserstraße Deutschlands, eine internationale Verkehrsader, und entsprechend streng sind die Regeln, die für Wassermotorräder auf ihm gelten.

Wir bei Nautigo bilden seit Jahren Bootsführer am Rhein aus, kennen die Reviere zwischen Bonn und Duisburg aus dem Effeff und sehen jedes Frühjahr dieselbe Frage: Wo darf ich denn jetzt eigentlich legal Jetski fahren? Die kurze Antwort: Auf wenigen, klar markierten Abschnitten. Die lange Antwort kommt jetzt — mit konkreten Rhein-Kilometern, den passenden Slipanlagen und allem, was du sonst noch wissen musst, um auf der richtigen Seite des Bußgeldkatalogs zu bleiben.

Darfst du auf dem Rhein überhaupt Jetski fahren?

Grundsätzlich: ja, aber nur auf eindeutig ausgewiesenen Wasserflächen. Der Rhein als Binnenschifffahrtsstraße fällt unter die Verordnung über das Fahren mit Wassermotorrädern auf den Binnenschifffahrtsstraßen (WasMotRV). Diese Verordnung legt fest, dass das Fahren mit Jetskis nur dort erlaubt ist, wo das Tafelzeichen E.22 die Wasserfläche freigibt. Außerhalb dieser markierten Bereiche ist Jetskifahren auf dem Rhein verboten — und zwar unabhängig davon, ob du einen Sportbootführerschein hast oder nicht.

Es gibt zwei klar geregelte Ausnahmen vom Verbot: das Erreichen einer freigegebenen Wasserfläche auf kürzestem Weg von der nächstgelegenen Einsetzstelle aus, und Wanderfahrten — also längere, organisierte Touren, die durch den Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt-Bereich genehmigt sind. Wer einfach drauflos fährt, weil das Wetter so schön ist, ist also außerhalb der markierten Strecken in der illegalen Zone.

Das Tafelzeichen E.22 — der Schlüssel zu jedem Spot

E.22 ist ein quadratisches Hinweiszeichen mit blauem Hintergrund, auf dem ein stilisierter Jetski abgebildet ist. Wo dieses Zeichen am Ufer steht, ist Jetskifahren erlaubt — und nur dort. Das Zeichen markiert den Anfang und das Ende einer freigegebenen Wasserfläche, und du fährst zwischen diesen beiden Markierungen.

Ergänzend zum Tafelzeichen veröffentlicht das Bundesministerium für Verkehr im Verkehrsblatt eine Übersicht über alle für Wassermotorräder freigegebenen Wasserflächen in Deutschland. Diese Übersicht ist der amtliche Stand und sollte vor jeder Saison nochmal eingesehen werden — Freigaben können sich ändern, Bereiche können temporär gesperrt sein, neue können hinzukommen.

Waterway Sign Blue Square E22 Marker
Foto: Pexels

Die freigegebenen Strecken zwischen Köln, Düsseldorf und Bonn

Im WSA-Rhein-Bereich (etwa Rhein-km 642,2 bis 759,7) gibt es nur wenige, klar definierte Wassermotorrad-Strecken. Hier eine Übersicht, die du vor jeder Saison anhand des aktuellen Verkehrsblatts gegenchecken solltest:

Köln (Westhoven bis Poll-Rodenkirchen) — Rhein-km 680,00 bis 683,40

Direkt im Stadtbereich von Köln, zwischen Westhoven und der Straßenbrücke Poll-Rodenkirchen, verläuft eine Wassermotorrad-Strecke auf der rechten Stromseite. Sie wird gerne genutzt, weil die Anfahrt aus dem Kölner Stadtgebiet und aus Bonn kurz ist.

Köln-Nord (Piwipp bis o. Zons) — Rhein-km 713,81 bis 717,01

Stromabwärts, im Bereich zwischen Piwipp und oberhalb Zons, gibt es eine zweite, etwas längere Strecke auf der linken Stromseite. Beide Köln-Strecken zusammen reichen für einen entspannten Saisonbetrieb.

Düsseldorf (Niederkassel bis Löricker Hafen) — Rhein-km 745,50 bis 749,00

Auf Höhe Düsseldorf-Niederkassel beginnt die nächste freigegebene Wasserfläche und reicht bis zur Einfahrt zum Löricker Hafen. Auch hier nur die linke Stromseite. Praktisch ist die Nähe zu öffentlichen Slipanlagen im Düsseldorfer Stadtgebiet.

Düsseldorf-Nord (Kaiserswerth bis Nierst) — Rhein-km 755,40 bis 759,30

Nördlich anschließend gibt es noch eine vierte Strecke zwischen der Fähre Kaiserswerth-Langst und unterhalb Nierst, ebenfalls auf der linken Stromseite. Sie liegt in einem Abschnitt mit etwas weniger Berufsschifffahrtsverkehr — angenehmer für längere, entspannte Fahrten.

Aktuelle Liste vor jeder Saison prüfen

Die hier genannten Kilometer entsprechen der ELWIS-Übersicht, Stand März 2024. Freigaben können sich ändern, Bereiche können temporär gesperrt sein. Für die jeweils aktuelle Lage lohnt der Blick in die ELWIS-Übersicht zur Wassermotorrad-Sportschifffahrt oder direkt beim WSA Rhein.

Regeln, die am Rhein anders sind als auf einem See

Der Rhein ist eine Berufsschifffahrtsstraße, und das macht das Verhalten als Jetskifahrer hier deutlich anspruchsvoller als auf einem See. Hier die wichtigsten Punkte, die viele unterschätzen:

Mindestabstand 10 Meter

Beim Vorbeifahren an anderen Fahrzeugen, Personen im Wasser oder Anlagen darfst du einen Mindestabstand von 10 Metern nicht unterschreiten. Das gilt auch innerhalb der freigegebenen Strecke. Wer nahe an einem Schwimmer vorbeibrettert, sich von einem Sportboot duellartig provozieren lässt oder zu nahe am Ufer entlangfährt, landet schneller bei einer Anzeige, als ihm lieb ist.

Vorrang der Berufsschifffahrt

Frachter, Fahrgastschiffe und Schubverbände haben am Rhein nicht nur „Vorfahrt“ — sie sind aufgrund ihrer Größe und Manövrierfähigkeit faktisch nicht ausweichfähig. Du als Jetskifahrer musst dich an ihre Bahn anpassen, nicht umgekehrt. Das heißt konkret: Heckwellen meiden, niemals direkt vor dem Bug kreuzen, ausreichenden Abstand halten.

Sog und Schwell

Was viele unterschätzen: Wassermotorräder erzeugen Wellen. Im Rheinbereich, wo entlang der Ufer Anglerstege, Liegeplätze und schmale Strände liegen, können Wellen erheblichen Schaden anrichten. Eine sportliche Fahrweise direkt am Ufer ist nicht nur unhöflich — sie kann zur Schadenersatzpflicht führen, wenn jemand zu Schaden kommt.

Lärmpegel und Naturschutz

Bestimmte Rheinabschnitte unterliegen Naturschutzauflagen, vor allem in der Brutzeit von Wasservögeln. Hier kann das WSA temporäre Sperrungen verhängen, die zusätzlich zu den allgemeinen Regeln gelten. Die aktuellen Hinweise stehen auf der WSA-Rhein-Website oder werden lokal beschildert.

Slipanlagen, Einsetzstellen und Wanderfahrten

Wassermotorräder dürfen nur über feste Einsetzstellen wie Slipanlagen oder Rampen ins Wasser oder mit Hilfe einer Krananlage. Wer einfach am Ufer einen Jetski reinschiebt, ist schon dort regelwidrig unterwegs.

Im Großraum Köln gibt es mehrere öffentlich zugängliche Slipanlagen, ebenso bei Düsseldorf, Leverkusen und Bonn. Welche im Einzelfall geeignet ist, hängt vom Fahrzeug, von der Anfahrt und von eventuellen Nutzungsentgelten ab. Zwischen einer Slipanlage und der nächsten freigegebenen Wassermotorrad-Strecke darfst du fahren — aber nur auf direktem, kürzestem Weg. Umwege außerhalb der freigegebenen Strecken sind nicht erlaubt.

Wanderfahrten — das heißt, organisierte längere Touren, die durch eine Genehmigung gedeckt sind — laufen nach eigenen Regeln. Wer regelmäßig Strecken außerhalb der E.22-Bereiche fahren möchte, kann sich beim WSA Rhein zu den Voraussetzungen einer solchen Genehmigung beraten lassen.

💡 Unser Tipp aus der Praxis: Vor jeder Fahrt einmal die Verkehrsblatt-Übersicht checken und die WSA-Rhein-Aktuelles-Seite. So vermeidest du, dass du an einer Stelle ankommst, an der gerade gar nicht gefahren werden darf — wegen Hochwasser, Sperrung oder einer veränderten Freigabe.
Harbor Slipway Boat Ramp Launch
Bild: Nautigo

Was bei Verstößen passiert

Die Wasserschutzpolizei NRW kontrolliert auf den Rheinabschnitten zwischen Bonn und Duisburg regelmäßig — gerade an sonnigen Wochenenden im Sommer. Wer beim Fahren außerhalb einer E.22-Strecke erwischt wird, hat mit einem Bußgeldverfahren zu rechnen, dessen Höhe sich am Bußgeldkatalog der Schifffahrtsbehörden orientiert.

Hinzu kommen weitere mögliche Konsequenzen: Wer ohne erforderlichen Sportbootführerschein gefahren ist, riskiert ein zweites Verfahren wegen unerlaubten Führens eines Wasserfahrzeugs. Wer dabei zu nahe an Personen oder anderen Booten vorbeigefahren ist, kann zusätzlich wegen Gefährdung des Schiffsverkehrs angezeigt werden. Und Versicherungen sind bei nachweislich illegaler Fahrt regelmäßig leistungsfrei — was bei einem Schaden auf dem Wasser sehr schnell eine sehr teure Rechnung produziert.

Die einfache Regel: Wenn du nicht auf einer ausgewiesenen E.22-Strecke fährst, fährst du außerhalb des Erlaubten. Das ist auf dem Rhein eine besonders heikle Konstellation, weil das Verkehrsaufkommen Konflikte mit Berufsschifffahrt und anderen Wassersportlern fast unausweichlich macht.

Häufige Fragen

Brauche ich für den Rhein eine Sondergenehmigung?

Für das Fahren auf einer E.22-Strecke nicht — die Freigabe gilt für alle berechtigten Fahrer. Eine Sondergenehmigung brauchst du nur für Wanderfahrten oder spezielle Veranstaltungen außerhalb der freigegebenen Bereiche.

Wo darf ich starten?

Nur über offizielle Slipanlagen, Rampen oder Krananlagen. Im Bereich Köln, Düsseldorf, Leverkusen und Bonn gibt es mehrere öffentliche Einsetzstellen — welche zur jeweiligen Strecke passt, hängt von der Anfahrt und gegebenenfalls von Nutzungsbedingungen der Anlage ab.

Welche Uhrzeiten sind erlaubt?

Die WasMotRV legt keine bundesweiten Uhrzeit-Beschränkungen fest. Lokale Regelungen — etwa zu Lärmschutz oder Naturschutz — können aber für einzelne Strecken Tagesfenster oder Wochenend-Sperrungen vorsehen. Die aktuellen Hinweise findest du beim zuständigen WSA oder vor Ort an den Tafeln.

Welche Versicherung muss mit?

Eine Haftpflichtversicherung für das Wassermotorrad ist dringend zu empfehlen — auf vielen Rheinabschnitten praktisch Pflicht. Der Rhein bietet wenig Spielraum für Fehler, und ein Schaden an einem Berufsschiff oder einer Anlegestelle kann existenzbedrohende Höhen erreichen.

Brauche ich einen Sportbootführerschein für den Rhein?

Ja, fast immer. Auf dem Rhein gilt bereits ab 5 PS Motorleistung Führerscheinpflicht — und Wassermotorräder liegen praktisch immer deutlich darüber. Du brauchst den Sportbootführerschein Binnen, um legal auf dem Rhein zu fahren, auch innerhalb der E.22-Strecken.

Praxisausbildung am Rhein — direkt bei dir

Wer am Rhein zwischen Köln, Düsseldorf oder Bonn fährt, kennt sein Revier am besten, wenn er hier auch ausgebildet wurde. Unsere Praxisausbildung läuft an mehreren Standorten direkt am Rhein — vom Theorie-Online-Kurs bis zur Prüfung in deiner Nähe.

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