Der Tag, an dem du dich zum ersten Mal vor den Fragenkatalog setzt, ist meistens der Tag, an dem die Selbstzweifel kommen. „Welcher Sektor ist nochmal Steuerbord?“, „Wie schnell darf ich da fahren?“, „Was bedeutet diese Tonne genau?“ — du klickst dich durch die Fragen und merkst: Das ist mehr Stoff, als du gedacht hattest. Und dann kommt der Gedanke, der bei fast jedem auftaucht: „Schaffe ich das überhaupt?“

Wir bei Nautigo sehen jeden Tag Kursteilnehmer, die genau an diesem Punkt sind. Und wir können dir aus Erfahrung sagen: Du schaffst das. Aber nur, wenn du die richtige Methode hast. Wer den SBF-See-Fragenkatalog wahllos durchklickt und immer dieselben zehn Fragen richtig beantwortet, lernt nicht — er macht nur Wiederholungen sichtbar. Wer dagegen mit System an die Sache herangeht, hat den Stoff in vier Wochen sicher im Griff.

In diesem Beitrag zeigen wir dir, wie der Fragenkatalog wirklich aufgebaut ist, wie viele Fehler du dir leisten kannst, in welcher Reihenfolge du lernen solltest und an welchen Themen die meisten scheitern. Plus: ein konkreter 4-Wochen-Plan, mit dem du am Prüfungstag nicht zittern musst.

Wie der Fragenkatalog aufgebaut ist

Der amtliche Fragenkatalog für den SBF See umfasst aktuell 285 Fragen. Er teilt sich in zwei Blöcke: 72 Basisfragen, die für alle Sportbootführerscheine gelten, und 213 Spezialfragen See, die exklusiv für das Seerevier gestellt werden. Aus diesem Pool werden in jeder Prüfung 30 Fragen ausgewählt — 7 Basisfragen und 23 Spezialfragen.

Jede Frage hat genau vier Antwortmöglichkeiten, von denen exakt eine richtig ist. Es gibt keine Mehrfach-Antworten, keine „alle sind richtig“-Optionen, keine Bewertungen mit Halbpunkten. Entweder ein Kreuz an der richtigen Stelle — oder nicht. Das macht das Lernen klarer als bei vielen anderen Theorieprüfungen.

Die Fragen sind thematisch gruppiert: Vorfahrtsregeln, Lichterführung, Schallsignale, Wetter, Seezeichen, Karten und Navigation, Sicherheit an Bord, Umweltschutz, rechtliche Grundlagen. Ein guter Online-Trainer zeigt dir nicht nur die richtige Antwort, sondern auch, in welche Kategorie eine Frage fällt — denn so erkennst du schnell, in welchem Themenbereich du noch Lücken hast.

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Bild: Nautigo

Bestehensgrenze und Bewertungssystem

Der Theorieteil gilt als bestanden, wenn du mindestens 24 von 30 Fragen richtig hast. Aber Achtung: Es geht nicht nur um die Gesamtsumme. Die Anforderungen sind nach Block aufgeteilt:

  • Basisfragen: mindestens 5 von 7 richtig
  • Spezialfragen See: mindestens 18 von 23 richtig
  • Navigationsaufgabe: mindestens 7 von 9 Teilfragen richtig

Du kannst also nicht alle Basisfragen verhauen und das mit einem perfekten Spezialteil ausgleichen. Beide Bereiche müssen für sich bestanden sein. Genau deshalb hat es keinen Sinn, sich nur auf Lieblingsthemen zu konzentrieren — der Fragenkatalog will, dass du in jedem Themenbereich solide unterwegs bist.

Die Navigationsaufgabe wird gesondert bewertet. Wer den Multiple-Choice-Teil schafft, aber bei der Navigation unter sieben Teilfragen bleibt, hat insgesamt nicht bestanden. Umgekehrt genauso. Mehr zur Navigationsaufgabe findest du in unserem Beitrag SBF See Navigationsaufgaben — Karten lesen, Aufgaben lösen, Beispielprüfung.

Der 4-Wochen-Lernplan

Vier Wochen vor der Prüfung anzufangen ist für die meisten der goldene Mittelweg: lang genug, um den Stoff sacken zu lassen, kurz genug, dass du nicht in eine Endlosschleife aus Aufschieben gerätst. Hier ist der Plan, den wir unseren Kursteilnehmern empfehlen — Tag für Tag etwa 30 bis 45 Minuten konzentriertes Lernen.

Woche 1 — Grundlagen aufbauen

Die erste Woche gehört den Basisfragen plus den fundamentalen Themen aus dem Spezialteil: Vorfahrtsregeln auf See, Lichterführung, Schallsignale. Diese drei Bereiche sind die Pflicht, an der niemand vorbeikommt. Lerne sie nicht stur, sondern verstehe das System dahinter — sobald du verstanden hast, dass die Vorfahrtsregeln auf der einfachen Logik „Manövrierfähigkeit und Begegnungswinkel“ beruhen, fallen die meisten Fragen wie von selbst auf ihre richtige Antwort.

Woche 2 — Seezeichen, Karten, Wetter

In der zweiten Woche kommen die visuellen Themen dran: Seezeichen, Karten-Symbole, Tonnen und Leuchtfeuer. Hier hilft es, parallel zu unserem Beitrag Seezeichen, Tonnen & Leuchtfeuer einfach erklärt zu üben. Wetter und Wetterberichte sind ein Block, den viele unterschätzen — aber jede Prüfung enthält mindestens drei bis fünf Fragen daraus.

Woche 3 — Navigation, Recht, Umweltschutz

Die dritte Woche ist die anspruchsvollste. Jetzt geht es an die Navigationsaufgaben mit Karte D49, an die rechtlichen Grundlagen (Versicherung, Personenbeförderung, Promillegrenze) und an den Umweltschutz. Plane in dieser Woche längere Lerneinheiten ein — die Navigationsaufgaben brauchen Zeit, weil du wirklich mit Anlegedreieck und Zirkel arbeiten musst.

Woche 4 — Wiederholung und Prüfungssimulation

In der letzten Woche machst du keine neuen Themen mehr auf. Du wiederholst alles, was du gelernt hast, gehst nochmal gezielt durch die Fragen, bei denen du in den Vorwochen geschwankt hast, und machst mindestens drei vollständige Prüfungssimulationen unter Zeitdruck. Stoppuhr läuft, keine Hilfen, alles wie in echt.

💡 Unser Tipp aus der Praxis: Mach den letzten Tag vor der Prüfung lernfrei. Wirklich. Wer am Vorabend nochmal alle 285 Fragen durchhecheln will, geht angespannt in die Prüfung — und das kostet mehr Punkte als die zwei oder drei Fragen, die er sich eventuell noch hätte einprägen können.

Online-Trainer richtig nutzen

Ein guter Online-Trainer ist heute Standard. Aber: Der Trainer alleine macht dich nicht prüfungsfit. Es ist die Art, wie du ihn nutzt, die entscheidet.

Phase 1 — Lernmodus

Im Lernmodus arbeitest du jede Frage einzeln durch. Wenn du eine Antwort markierst, zeigt dir der Trainer sofort die richtige Lösung mit Erklärung. Hier geht es ums Verstehen, nicht ums Tempo. Mach dir Notizen zu Fragen, die du nicht intuitiv lösen kannst — diese Liste wird in den letzten Tagen vor der Prüfung Gold wert.

Phase 2 — Themenmodus

Wenn die Grundlagen sitzen, wechselst du in den Themenmodus. Hier filterst du nach Kategorien (zum Beispiel „Lichterführung“ oder „Wetter“) und arbeitest gezielt deine Schwächen ab. Die Fehlerquote pro Kategorie sagt dir, wo du noch Lücken hast.

Phase 3 — Prüfungsmodus

Erst in der letzten Woche macht der Prüfungsmodus richtig Sinn. Hier zieht der Trainer 30 Fragen zufällig aus dem Pool, du hast eine bestimmte Zeit, danach kommt das Ergebnis nach Bestehensgrenze. Mach mindestens drei dieser Simulationen, idealerweise sogar fünf. Wer hier konstant über 90 Prozent erreicht, kann entspannt zur echten Prüfung gehen.

Online Quiz Multiple Choice Computer Screen
Bild: Nautigo

Die acht Themen, an denen die meisten scheitern

Aus jahrelanger Kursarbeit kennen wir die wiederkehrenden Stolperstellen. Wer diese acht Themen explizit übt, schraubt seine Fehlerquote in der Prüfung deutlich runter:

  1. Lichterführung bei Nacht — welches Schiff zeigt welche Lichter und in welchem Winkel?
  2. Vorfahrtsregeln zwischen Maschinenfahrzeug und Segelfahrzeug — der Teufel steckt im Wind
  3. Schallsignale bei eingeschränkter Sicht — kurze und lange Töne, im richtigen Rhythmus
  4. Wettererscheinungen und ihre Vorhersage — Beaufort-Skala, Hoch- und Tiefdruckgebiete
  5. Tonnen- und Leuchtfeuer-Identifikation — der Klassiker
  6. Seenotsignale und Notruf-Verfahren — Handzeichen, Sprechfunk-Verfahren, MOB
  7. Versicherung, Halterhaftung und Promillegrenze — die rechtlichen Fragen
  8. Schiffsführungsrecht in besonderen Fahrwassern — Sperrgebiete, Vorrang-Regelungen, Naturschutz

Wenn du in deinem Online-Trainer in einer dieser Kategorien unter 80 Prozent richtige Antworten hast, plane einen extra Lernblock dafür ein. Es zahlt sich aus.

Letzte Woche vor der Prüfung

Die letzte Woche ist nicht für Neuanfänge. Sie ist für Konsolidierung. Hier ist, was wir empfehlen:

Tag 1-3: Drei vollständige Prüfungssimulationen. Nach jeder Simulation: Fehleranalyse. Welche Themen kamen vor? Welche waren neu? Welche kannst du nicht?

Tag 4-5: Gezielte Wiederholung der Themen aus den Stolperstellen. Plus die Notizen aus deinem Lernmodus von Woche 1 und 2 nochmal durchgehen.

Tag 6: Eine letzte komplette Simulation. Wenn du die unter 90 Prozent Bestehensquote schaffst, gönn dir eine Pause — du bist bereit.

Tag 7 (Vorabend): Lernfrei. Pack deine Sachen für die Prüfung (Personalausweis, Lichtbild für den Schein, gegebenenfalls Brille), schau, dass du genug Zeit für die Anreise hast, und geh früh schlafen. Eine Prüfung mit acht Stunden Schlaf bestehst du klarer als eine mit fünf.

Häufige Fragen

Wie viele Fragen muss ich richtig haben, um zu bestehen?

Mindestens 24 von 30 Fragen im Multiple-Choice-Teil — verteilt nach mindestens 5 von 7 Basisfragen und mindestens 18 von 23 Spezialfragen See. Zusätzlich mindestens 7 von 9 Teilaufgaben in der Navigationsaufgabe.

Wie viele Fehler sind erlaubt?

Im Multiple-Choice-Teil sechs Fehler insgesamt — aber nicht beliebig verteilt. Maximal 2 falsche Basisfragen und maximal 5 falsche Spezialfragen See. Bei der Navigationsaufgabe darfst du maximal 2 von 9 Teilfragen falsch lösen.

Kann ich den Test wiederholen, wenn ich durchfalle?

Ja. Wenn du nicht bestehst, kannst du dich bei einem freien Termin neu anmelden. In vielen Prüfungsausschüssen ist eine Wiederholung schon am nächsten Prüfungstag möglich, sofern Plätze frei sind.

Wie lange ist die bestandene Theorie gültig?

Wenn du nur den Theorieteil bestehst und beim ersten Versuch in der Praxis durchfällst, bleibt die Theorie für die nächste Praxis gültig — Stand der aktuellen Prüfungsverordnung über mehrere Monate. Den genauen Zeitraum nennt dir der Prüfungsausschuss bei der Anmeldung.

Soll ich auf Tablet oder Papier üben?

Für die Multiple-Choice-Fragen ist beides okay. Für die Navigationsaufgabe musst du auf Papier üben — Anlegedreieck, Zirkel und Bleistift werden in der Prüfung an einer echten Karte angelegt, und das gibt es so nicht digital.

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