Stell dir vor, du fährst zum ersten Mal mit dem Auto durch eine fremde Stadt — und alle Verkehrsschilder sind weg. Keine Ampeln, keine Vorfahrtsschilder, keine Tempolimits. Wie würdest du dich fühlen? Genau so geht es vielen, die zum ersten Mal aufs Meer rausfahren, ohne Seezeichen lesen zu können. Auf See gibt es keine weißen Linien auf der Straße — und trotzdem ist alles geordnet. Du musst nur das System verstehen.

Wir bei Nautigo erklären in unseren Kursen die Welt der Seezeichen, Tonnen und Leuchtfeuer immer wieder neu — und merken jedes Mal, dass es nicht der Stoff ist, der schwer ist, sondern der erste Zugang. Wenn du einmal weißt, warum eine grüne Tonne grün ist und warum eine Kennung wie „Fl(3) 15s“ überhaupt existiert, sind die Karten-Symbole plötzlich ein offenes Buch.

In diesem Praxisguide gehen wir alles durch, was du für die SBF-See-Prüfung über Tonnen, Leuchtfeuer und Karten-Symbole wissen musst. Wir starten mit dem System dahinter und enden bei einem konkreten Steckbrief — dem Leuchtturm Alte Weser, einem alten Bekannten aus den Übungsaufgaben.

Warum Seezeichen den Unterschied machen

Die Nordsee ist nicht überall tief, das Wattenmeer wandert, Sandbänke verschieben sich, Wracks liegen unter der Oberfläche. Auf der Karte sieht das vielleicht harmlos aus — auf dem Wasser entscheidet ein paar Meter Versatz manchmal über eine ruhige Heimfahrt oder einen unfreiwilligen Halt auf einer Untiefe. Genau deshalb gibt es Seezeichen.

Seezeichen markieren befahrbare Fahrwasser, warnen vor Gefahren und zeigen dir, wo der sichere Weg verläuft. Ihre Logik ist international standardisiert — eine Kreuzpeilung, die du in der Ostsee gelernt hast, funktioniert in Frankreich genauso. In der SBF-See-Prüfung tauchen sie sowohl im Multiple-Choice-Teil als auch in der Navigationsaufgabe auf. Wer sie sicher liest, hat in beiden Teilen einen klaren Vorteil.

Was viele unterschätzen: Seezeichen sind nicht nur etwas für die Prüfung. In einer dunstigen Außenweser oder einer engen Hafeneinfahrt bei Nacht ist die Tonne, die plötzlich aus dem Nebel auftaucht, der einzige Anker, der dir sagt, ob du auf dem richtigen Kurs bist. Die Investition in das Verständnis dieser Zeichen zahlt sich also nicht nur im Prüfungsbogen aus.

Lateral-, Kardinal- und Sonderzeichen

Es gibt drei große Kategorien von Seezeichen, und sie haben jeweils eine ganz andere Aufgabe. Wer diese Trennung im Kopf hat, weiß sofort, was eine Tonne ihm sagen will.

Lateralzeichen — die Markierung des Fahrwassers

Lateralzeichen begrenzen das Fahrwasser links und rechts. In Region A (zu der Europa gehört) ist die Steuerbordseite — also die rechte Seite, wenn du von See in Richtung Hafen fährst — grün, mit spitzen Topzeichen und ungeraden Ziffern. Die Backbordseite ist rot, mit stumpfen Topzeichen und geraden Ziffern. Eselsbrücke aus unseren Kursen: „Rot ist links, wenn du nach Hause kommst.“

Kardinalzeichen — die Warnung vor Gefahren

Kardinalzeichen markieren Gefahrenstellen — Untiefen, Wracks, Felsen. Sie sind schwarz-gelb gestreift, mit zwei Kegeln als Topzeichen. Welche Seite der Gefahr sicher passierbar ist, sagt dir die Position des Kardinalzeichens und seine Topzeichen-Anordnung: Eine Nord-Tonne umfährst du im Norden, eine Süd-Tonne im Süden, und so weiter. Sie ergänzen das Lateralsystem dort, wo eine seitliche Markierung nicht reicht.

Sonderzeichen und Mitten-Tonnen

Dazu kommen Sonderzeichen für besondere Bereiche — etwa Sperrgebiete, Kabel, militärische Übungszonen oder Wassersport-Flächen. Sie sind meist gelb. Und es gibt Mitten-Tonnen (rot-weiß senkrecht gestreift), die genau das markieren, was ihr Name sagt: die Mitte eines Fahrwassers oder eine Ansteuerungstonne.

Cardinal Mark Buoy Yellow Black Sea
Foto: Pexels

Tonnen lesen — Form, Farbe, Topzeichen

Eine Tonne liest du an drei Merkmalen ab. Wenn du diese drei Punkte konsequent abarbeitest, lässt dich kaum eine Tonne mehr im Stich.

Form. Spitz, stumpf, kugelförmig oder zylindrisch — die Form ist oft schon der erste Hinweis. Spitze Tonnen gehören zur Steuerbordseite des Lateralsystems. Stumpfe („Stumpftonne“) zur Backbordseite. Kugelförmig sind oft Sonderzeichen oder Mitten-Tonnen.

Farbe. Im Lateralsystem zählt die Farbe absolut: Rot ist Backbord, Grün ist Steuerbord (in Region A, Europa). Bei Kardinalzeichen ist die Schwarz-Gelb-Anordnung entscheidend — schwarz oben, schwarz unten, schwarz oben und unten oder gelb oben und unten — daraus liest du Nord, Süd, Ost oder West.

Topzeichen. Das ist das kleine Symbol oben auf der Tonne. Zwei Kegel beide spitz nach oben? Norden. Beide spitz nach unten? Süden. Spitzen zueinander (Sanduhr-Form): Westen. Basen zueinander (Diamant-Form): Osten. Klingt komisch, sitzt mit ein paar Wiederholungen aber sicher.

💡 Unser Tipp aus der Praxis: Druck dir die Tonnen-Übersicht aus der Karte 1 des BSH einmal aus und häng sie über deinen Schreibtisch. Innerhalb von zwei Wochen liest du die Tonnen automatisch — und in der Prüfung fühlst du dich keine Sekunde unsicher.

Leuchtfeuer-Kennung und Wiederkehr

Leuchtfeuer machen das, wofür Tonnen am Tag zuständig sind: Sie zeigen dir den Weg. Nur eben nachts. Damit du sie unterscheiden kannst, hat jedes Leuchtfeuer eine eigene Kennung — ein einzigartiges Muster aus Licht, Dunkel und Farbe. Diese Kennung steht in der Seekarte direkt neben dem Symbol und auf einem Antwortbogen oft als Identifikationshilfe.

Die wichtigsten Lichtarten

Fl (Flashing, Blitzfeuer): Das Licht ist kürzer als die Dunkelphase. Eine Kennung wie „Fl(3) 15s“ bedeutet: drei kurze Blitze in einer Gruppe, danach Dunkelheit, das gesamte Muster wiederholt sich alle 15 Sekunden.

Oc (Occulting, Unterbrochenes Feuer): Das Licht ist länger als die Dunkelphase. Du siehst ein dauerhaft brennendes Licht, das in regelmäßigen Abständen kurz „abdunkelt“. Auch hier kann es Gruppen geben — „Oc(2) 6s“ wäre zwei Verdunkelungen pro Sechs-Sekunden-Zyklus.

Iso (Isophase, Gleichtaktfeuer): Licht und Dunkelheit dauern gleich lang. Sehr regelmäßig, fast wie ein Metronom.

F (Fixed, Festfeuer): Ein konstantes, ununterbrochenes Licht. Wird oft zusätzlich mit Sektorfarben kombiniert (zum Beispiel „F WRG“ — Festfeuer in Weiß, Rot oder Grün, je nach Peilung).

Wiederkehr — die Sekunde am Ende der Kennung

Die Sekundenzahl am Ende der Kennung ist die Wiederkehr. Sie sagt dir, wie lange ein vollständiger Lichtzyklus dauert — vom Beginn eines Signals bis zum Beginn des nächsten identischen Signals. Bei „Fl(3) 15s“ sind das 15 Sekunden. Wenn du nachts auf eine Küste zufährst und drei Blitze siehst, dann Dunkelheit, dann wieder drei Blitze nach 15 Sekunden, weißt du eindeutig, welches Leuchtfeuer du vor dir hast.

Lighthouse Light Beam Night Sea
Bild: Nautigo

Karten-Symbole in der SBF-See-Prüfung

Die offizielle Symbol-Bibel für deutsche Seekarten heißt Karte 1 / INT 1 und wird vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) herausgegeben. Sie ist in der SBF-See-Prüfung als Hilfsmittel zugelassen und sollte in keinem Lernset fehlen — schon allein, weil sie zwei Sprachen abdeckt (deutsch und englisch) und damit auch in jedem ausländischen Charterrevier weiterhilft.

In der Prüfung wirst du nicht das gesamte Werk auswendig können müssen, aber bestimmte Symbol-Klassen tauchen immer wieder auf:

  • Tonnen und ihre Topzeichen — Lateral, Kardinal, Sonder
  • Leuchtfeuer-Symbole und Sektorlichter — Pfeile, die einen Lichtsektor andeuten
  • Wassertiefen und Trockenfallhöhen — Zahlen mit und ohne Unterstrich
  • Wracks, Untiefen, Felsen — die unterschiedlichen Symbole für Gefahrenstellen
  • Sperrgebiete und Vorzugsbereiche — für Sportboote, Berufsschifffahrt, Naturschutz
  • Häfen, Anlegestellen, Slipanlagen

Das BSH stellt einen kostenlosen Auszug aus der Karte 1 unter dem Titel „Wichtige Zeichen und Abkürzungen“ online zur Verfügung. Den solltest du dir runterladen — er deckt etwa zwei Prozent der Vollausgabe ab, aber genau die Symbole, die in den meisten Prüfungsaufgaben gefragt werden.

Steckbrief Leuchtturm Alte Weser

Wer Übungsaufgaben für die SBF-See-Prüfung macht, stolpert früher oder später über den Leuchtturm Alte Weser. Er steht in der Außenweser, etwa bei 53°51′ Nord und 8°08′ Ost, und ist seit 1964 in Betrieb. Erbaut wurde er zwischen 1961 und 1964 als Ersatz für den damals stark beschädigten alten Roter-Sand-Leuchtturm aus dem 19. Jahrhundert. Am 1. September 1964 übernahm die „Alte Weser“ offiziell dessen Aufgaben.

Was den Leuchtturm aus Lern-Sicht interessant macht: Er liegt mitten in einem Bereich, in dem auf der D49-Übungskarte regelmäßig Peilungen, Standortbestimmungen und Tideaufgaben spielen. Wenn du eine Aufgabe siehst, die in der Außenweser stattfindet, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Alte Weser eine Rolle spielt — als Peilziel, als Sektor-Leuchtfeuer mit Weiß/Rot/Grün, oder als Bezugspunkt für eine Streckenmessung.

Der Steckbrief macht auch deutlich, warum man Leuchtfeuer überhaupt mit so vielen Details kennt: Auf der Nordsee musst du bei schlechter Sicht eindeutig identifizieren können, was dich da gerade aus dem Dunst anblinkt. Form, Farbe, Sektorlicht, Position — die Alte Weser gibt dir gleich vier Identifikationsmerkmale.

Wer die Beispielaufgaben aus unserem Beitrag SBF See Navigationsaufgaben durchgearbeitet hat, hat den Alte-Weser-Sektor wahrscheinlich schon mehrfach mit dem Anlegedreieck umfahren. Genau dieses Praxisgefühl ist es, was dich am Prüfungstag entspannt.

Häufige Fragen

Was bedeutet „Fl(3) 15s“ auf einer Seekarte?

Fl steht für Flashing, also Blitzfeuer. Die (3) zeigt eine Gruppe von drei Blitzen, die aufeinanderfolgen. 15s ist die Wiederkehr — der gesamte Lichtzyklus aus Blitzen und Dunkelphase wiederholt sich alle 15 Sekunden.

Was ist der Unterschied zwischen Lateral- und Kardinalsystem?

Lateralzeichen markieren das Fahrwasser an seinen Rändern — rot links, grün rechts (in Region A, von See nach Hafen kommend). Kardinalzeichen markieren Gefahrenstellen wie Untiefen oder Wracks und zeigen mit ihrer Schwarz-Gelb-Streifung und ihren Topzeichen, von welcher Seite die Gefahr sicher passiert wird.

Welche Symbole muss ich für die SBF-See-Prüfung auswendig kennen?

Die Karte 1 / INT 1 ist in der Prüfung als Hilfsmittel erlaubt — du musst also nichts perfekt auswendig kennen. In der Praxis lohnt sich aber, dass du Lateral- und Kardinalsystem, die häufigsten Leuchtfeuer-Kennungen sowie Symbole für Wassertiefen, Wracks und Sperrgebiete sicher erkennst, um Zeit zu sparen.

Wo finde ich die Symbol-Übersicht zum Ausdrucken?

Das BSH stellt unter dem Titel „Wichtige Zeichen und Abkürzungen“ einen kostenlosen Auszug aus der Karte 1 zum Download bereit. Die vollständige Karte 1 / INT 1 gibt es als Druckwerk im Buchhandel und im nautischen Fachhandel.

Was ist der Unterschied zwischen Fl, Oc und Iso?

Bei Fl (Flashing) ist die Lichtphase kürzer als die Dunkelphase. Bei Oc (Occulting) ist die Lichtphase länger als die Dunkelphase. Bei Iso (Isophase) sind beide Phasen gleich lang. F (Fixed) ist ein dauerhaft brennendes Licht ohne Unterbrechung.

Sind Wikipedia-Artikel als Quelle für die Prüfung okay?

Für das Verständnis ja, für die Prüfungsvorbereitung nein. Halte dich an offizielle Quellen — die Karte 1/INT 1 vom BSH, die ELWIS-Plattform der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung, ADAC-Skipper-Ratgeber oder geprüfte Lehrbücher. Diese Quellen sind aktuell und prüfungsrelevant.

Vom Symbol zur Lösung — wir zeigen dir den Weg

Wenn du die Seezeichen sicher liest, ist die Navigationsaufgabe nur noch eine Frage von sauberer Hand. Schau dir unsere ausführliche Anleitung zu den SBF-See-Navigationsaufgaben an — dort findest du das Schema für Standortbestimmung, Kursabsetzen und Tide-Aufgaben Schritt für Schritt.

Zur Anleitung Navigationsaufgaben →